Die Heilkraft des Sports – Knochen 3/8

Text: Auszug aus dem Magazin GEO WISSEN – Gesundheit Nr. 7: Die Heilkraft des Sports

Skelett

Knochen – 3/8: Ungewohnte Bewegungen sorgen für ein stärkeres Skelett.

Menschliche Knochen sind leichter als Stahl und elastisch wie Eichenholz. Wie ein Schild legen sie sich um empfindliche Organe, besonders Gehirn, Herz und Lunge. Mehr als 200 von ihnen festigen und stabilisieren den Körper und machen ihn beweglich.

Unsere Knochen bilden dabei keineswegs nur lebloses Stützmaterial: Jeder ist ein hochdynamisches System samt Blutgefäßen und Nerven, das sich ein Leben lang erneuert – und den Lebensbedingungen seines Besitzers anpasst. […]

In einem Turnus von etwa zehn Jahren erneuert sich auf diese Weise das gesamte menschliche Skelett – jedenfalls solange der Besitzer sorgsam damit umgeht und in Bewegung bleibt. Denn im Alter lässt die Regenerationsfähigkeit des Skeletts nach. Jene Zellen, dei zersetztes Material wieder auffüllen, kommen mit ihrer Arbeit nicht hinterher. So entstehen Schäden im Skelett. Besonders Frauen jenseits der Wechseljahre sind davon betroffen.

Sport kann den altersbedingten Knochenverfall jedoch effektiv bremsen. Kaum eine Maßnahme hat mehr Einfluss auf das Skelett als Bewegung, denn Knochen bauen sich auf, wenn sie gefordert werden. Durch regelmäßige Aktivitäten wie Joggen oder schnelles Wandern vermehren sich jene Zellen, die Knochensubstanz bilden. Die Knochendichte nimmt zu. Und je dichter die Knochen, desto geringer ist das Risiko eines Bruchs.

Sport stimuliert außerdem dei Sehnen, die dadurch elastischer bleiben, weniger leicht reißen und bei jeder Aktivität Zug auf die Knochen ausüben. Die wiederum reagieren auf Zug und Druck mit einem Wachstumsschub; Zellen, die Knochensubstanz bilden, vermehren sich dadurch, das Knochengewebe nimmt an Dichte zu und wird stabiler.

Inaktivität hat rasch negative Folgen. Das zeigte eine Studie an jungen Männern, die 17 Wochen lang bettlägerig waren. In dieser Zeit verloren sie fast 1,5 Prozent ihrer Mineraldichte im Skelett. In manchen zentralen Regionen wie der Wirbelsäule und im Oberschenkel baute ihr Körper sogar bis zu vier Prozent ab. Biene weniger Monate büßten diese Männer dort ähnlich viel Knochensubstanz ein wie Frauen in den Wechseljahren innerhalb eines ganzen Jahres.

Um die Knochen stark zu halten, sollten Erwachsene daher vom mittleren Lebensalter an möglichst drei bis fünf Stunden pro Woche körperlich aktiv sein. Ideal sind schnelles Gehen, Treppensteigen, Seilhüpfen oder Tanzen. Aber auch schnelle , stoßartige Bewegungsabläufe wie beim Squash und Tennis helfen. Diese Sportarten belasten zwar die Gelenke, biegen und stauchen die Knochen aber gleichzeitig. Der Körper reagiert auf diese Reize, indem er die Gebeine verstärkt.

Dagegen schonen Schwimmen und Radfahren zwar die Gelenke, bewirken aber wenig für die Knochengesundheit. Ebenso wenig Krafttraining im Sitzen oder Rudern.

Aufgebaut werden Knochen, wenn sie auf immer neue Weise gefordert werden – etwa durch Bewegungsabläufe, mit denen sie zuvor nicht vertraut waren. Dabei hilft es schon, beim Spazierengehen immer mal wieder ein paar Schritte mit sich überkreuzenden Füßen zu machen, ein wenig zu hüpfen oder auch mal rückwärts zu gehen.

Extrem ausgeübter Sport tut der Gesundheit der Knochen nicht gut, durch chronische Überbelastung können sie gar brechen. Etwa wenn ein Marathonläufer regelmäßig über den Punkt hinausläuft, an dem seine Muskeln ermüden. Dann federn sie die Tritte nicht mehr ab, sondern geben die Erschütterung an den Körper weiter: Auf Dauer überlastet das die Knochen und kann zu Ermüdungsbrüchen führen.

 

2018, GEO Wissen, Gesundheit Nr. 7: „Die Heilkraft des Sports“. Kaulitzki, Sebastian.

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