Die Heilkraft des Sports – Bindegewebe 4/8

Text: Auszug aus dem Magazin GEO WISSEN – Gesundheit Nr. 7: Die Heilkraft des Sports

Bindegewebe

Bindegewebe – 4/8: Dehnen und Hüpfen ist gut für die Elastizität der Faszien.

Lange Zeit hielten Wissenschaftler das Bindegewebe – die Faszien – für eine Art Füllmasse ohne höhere Funktion. Doch mehr und mehr zeigt sich: Das winzige Fasern enthaltende Gewebe übernimmt viele wichtige Aufgaben und ist für unsere Bewegungsfähigkeit ebenso wichtig wie die Muskulatur.

Denn die Faszien geben unserem Körper seine Form. Das Korsett aus Bindegewebe, das bis in die Zehen und Fingerspitzen reicht, hält uns zusammen. Bindegewebsschichten umschließen Blutgefäße, Herz und Gehirn, Leber und Nieren und sorgen dafür, dass Organe nicht aneinanderreiben.

Zu den Faszien gehören auch alle Bänder, die sich zwischen den Knochen spannen, und alle Sehnen, die unsere Muskeln mit Knochen und Gelenken verbinden. Ohne sie würden wir zusammenklappen wie eine Marionette ohne Fäden.

Besäßen wir kein Bindegewebe, könnten wir die Kraft unserer Muskeln nicht nutzen, es käme keine Bewegung zustande. Denn die Faserbündel sorgen letztlich für die Weiterleitung der Kräfte und – in Form von Sehnen – für deren Übertragung auf die Knochen.

Durch zu wenig Bewegung, ständige Anspannung oder Verrenkungen kann das Bindegewebe aber in Mitleidenschaft gezogen werden, es entstehen zuweilen winzige Risse, dei Schmerzen verursachen.

Schon ein paar Wochen Zwangsruhe im Gips bringen die Fasern dazu, ungeordnet zu wuchern und sich zu verdicken. Solche Verhärtungen können auf Nerven drücken und Schmerzen verursachen. Und nicht nur dadurch macht sich das Bindegewebe gelegentlich bemerkbar. Vor allem Frauen kennen die Dellen in Oberschenkel und Gesäß, die als Cellulite bekannt sind und etwa durch verhärtete und einziehende Bindegewebsstränge hervorgerufen werden.

Zwar können spezielle Formen der Bindegewebsmassage verfilzte Fasern lockern, am wichtigsten aber ist es, sich viel zu bewegen. Denn das fördert die Regeneration der Faszien. Und so werden Bindegewebszellen, die Fibroblasten, aktiviert, die kleine und selbst größere Wunden reparieren, indem sie neue Kollegenfasern bilden.

Viel Bewegung führt auch dazu, dass die Faszien gut mit Schmiermittel und Nährstoffen versorgt werden – und damit geschmeidig bleiben. […]

Besser für das Bindegewebe sind federnde Bewegungen wie leichtes Hüpfen oder Schwingen des Oberkörpers.  Auch wer barfuß auf unterschiedlichem Terrain spaziert, über Baumstämme balanciert oder auf Felsen klettert, fördert die Elastizität der Sehnen und Muskelfaszien. Und Gymnastikübungen mit Reifen oder Bällen beanspruchen die langen Faszienbahnen des Körpers auf ideale Weise.

Simple Dehnübungen können die Gleitfähigkeit des Bindegewebes wiederherstellen, Krankheiten vorbeugen – oder gar heilen. Viele Yoga-Übungen erzielen genau diesen Effekt, aber auch Techniken bei Pilates und Qigong.

Übermäßig anstrengen muss man sich dafür nicht, denn anders als beim Muskeltraining bringt es nichts, an die Belastungsgrenze zu gehen.

Schon zehn Minuten Faszientraining zweimal pro Woche zeigen deutliche Wirkung. Allerdings braucht die Produktion frischer Kollagen- und Elastinfasern viel Zeit. Erste nach etwa einem Jahr hat der Körper dei Hälfte des Kollagens erneuert.

Untersuchungen zeigen: Wer konsequent praktiziert, kann seinen Körper bis ins hohe Alter straff und elastisch halten. Und vor allem: beweglich.

 

2018, GEO Wissen, Gesundheit Nr. 7: “Die Heilkraft des Sports”. Kaulitzki, Sebastian.

 

 

 

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