Die Heilkraft des Sports – Herz-Kreislauf-System 7/8

Text: Auszug aus dem Magazin GEO WISSEN – Gesundheit Nr. 7: Die Heilkraft des Sportsekg-2753760_1280Herz-Kreislauf-System – 7/8: Sport weitet die Gefäße und senkt so den Blutdruck.

Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass regelmäßige körperliche Bewegung Herz-Kreislauf-Leiden effektiv vorbeugt. So ergab eine Analyse, dass inaktive Menschen ihr Risiko, eine koronare Herzkrankheit zu entwickeln oder daran zu sterben, allein um 20 Prozent reduzieren können, wenn sie sich im Alltag mehr bewegen, etwa durch eine gute halbe Stunde Spazierengehen pro Tag.

Training kann das Volumen des Herzens um das Doppelte ansteigen lassen, das Organ vermag dann mehr Blut durch den Körper zu pumpen. Sportler nehmen bis zu fünfmal mehr Luft auf als Untrainierte – und versorgen den Körper weit besser mit Sauerstoff, sodass der Organismus wiederum seine Zellen besser mit Nährstoffen versorgen kann. Ohne Training nimmt die Sauerstoffversorgung  im Alter ab.
Bei Trainierten weiten sich zudem die Blutgefäße, der Blutdruck sinkt. Regelmäßiger Sport mindert außerdem den Gehalt bestimmter Fette im Blut und beugt damit Arterienverkalkung vor. Zudem scheint wiederkehrende Bewegung den Organismus dazu zu animieren, Schäden in seinem Gefäßsystem gleichsam selber zu reparieren.

Die europäische Leitlinie zur Prävention von Herz-Kreislauf-Krankheiten, in der Experten aus vielen Ländern durch wissenschaftliche Erkenntnisse gestützte Empfehlungen an Ärzte und Patienten abgeben, rät Gesunden daher, auf mittlerem Intensitätsniveau zweieinhalb bis fünf Stunden pro Woche aktiv zu sein – oder auf hohem Niveau eine bis zweieinhalb Stunden.
Die körperliche Aktivität sollte sich auf möglichst viele Wochentage verteilen, jede Einheit mindestens zehn Minuten dauern. Alltägliche Belastungen wie schnelles Gehen oder Treppensteigen dürfen dabei durchaus auch mitgezählt werden.

Um speziell die Herzgesundheit zu fördern, empfehlen Sportmediziner vor allem Ausdauersportarten wie Walking, Nordic Walking, Laufen, Radfahren, Schwimmen, Inlineskaten, Rudern, Aerobic oder Skilanglauf.

Viele Sportmediziner gehen inzwischen davon aus, dass Trainingseinheiten mit hoher Intensität besonders effektiv sind: Nach neuen Erkenntnissen erhöhen sie stärker als moderate Belastungen die maximale körperliche Leistungsfähigkeit, die wiederum sehr zur Senkung des Herz-Kreislauf-Risikos beiträgt. Empfohlen wird daher eine Kombination von Phasen mäßiger und hoher Intensität, etwa in Form eines Intervalltrainings. […]

Ein moderates Krafttraining, etwa im Fitness-Studio oder durch spezielle Übungen, ist in jedem Fall eine gute Ergänzung zum Ausdauertraining.

Auch wenn Menschen bereits unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden, wirkt sich Bewegung – zumeist – positiv aus. Eine Auswertungen von Studien an insgesamt mehr als 20 000 Patienten mit koronarer Herzkrankheit hat ergeben, dass die Gesamtsterblichkeit im Untersuchungszeitraum um fast 30 Prozent zurückging, wenn die Patienten an einem Herzsport-Trainingsprogramm teilnahmen.

Eine weitere Studie zeigte, dass regelmäßige körperliche Aktivität ebenso wirksam sein kann wie manche medizinische Therapie, um den Erkrankungsverlauf bei koronarer Herzkrankheit positiv zu beeinflussen.

Bei einer deutschen Studie mit männlichen Patienten, die an einer chronischen Verengung der Herzgefäße litten, bekam die eine Hälfte der Patienten Stents eingesetzt, winzige röhrchenförmige Implantate zum Offenhalten und Stabilisieren von Gefäßen. Die andere Hälfte trainierte ein Jahr lang auf einem Fahrradergometer. Von den Radlern blieben 88 Prozent ohne akute Beschwerden, bei der Vergleichsgruppe waren es nur 70 Prozent.

Auch für Patienten mit Bluthochdruck, Herzschwäche oder peripherer arterieller Verschlusskrankheit ist der günstige Effekt von Training erwiesen.

Eine Überlastung des Herzens ist aber ungesund – wenn sie nicht gar tödlich sein kann. Es kommt immer wieder vor, dass ein Marathonläufer während des Wettkampfs an plötzlichem Herzversagen stirbt.

Vereinzelt kann sich bei Athleten, die sich über Jahre mehrere Stunden pro Tag intensiv belasten, der Herzmuskel so verändern, dass das Risiko für Herzrhythmusstörungen oder gar einen plötzlichen Herztod steigt. Oder das Herz hatte eine nicht erkannte Vorschädigung. Wie so oft gilt also auch hier: Moderate Bewegung ist gesund, wer Leistungssport treiben will, sollte vorher mit einem Arzt sprechen.

 

2018, GEO Wissen, Gesundheit Nr. 7: “Die Heilkraft des Sports”. Kaulitzki, Sebastian.

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