Zu alt für Personal Training

Neulich unterhielt ich mich mit einem Freund darüber, was eigentlich Personal Training ist?! Wir sprachen darüber, dass sein Vater (80 Jahre) regelmäßig auf Mallorca ist und die Zeit nutzt, um zu entspannen, sich zu bewegen und das Leben zu genießen.

Bei der Gelegenheit sagte ich, dass sein Vater doch mal bei mir im Studio vorbei kommen kann? Die Antwort meines Freundes: “Was, ne! Der ist zu alt dafür!” – “Zu alt wofür?” fragte ich. “Naja, er ist zwar fit, läuft aber eher langsam und hat noch nie in seinem Leben Sport gemacht. Der kann mit seinen Knien nicht springen und auch keine schweren Gewichte heben.”

Ich war sehr verwundert darüber, welches Bild mein Freund von Personal Training tatsächlich hat: Ein durchtrainierte Personal Trainer steht, mit seiner Sonnenbrille und seinem hautengen Muskel-Shirt, oder noch besser oberkörperfrei, auf der Mauer. Rechts die Promenade, links der Strand. “Schneller, weiter, looooos…”. Vor ihm/ihr ein braungebranntes mitte-zwanzig-jähriges Supermodel, dass die Anweisungen unter Schweiß und Zuschauern sichtlich angestrengt absolviert. Danach wird noch schnell eine Instagram- und Facebook-Story erstellt, ein Protein-Shake eingenommen und fertig ist das perfekte “Personal Training”.

Echt jetzt? Ist das das Bild, das man von Personal Training hat?

Youtube, Facebook, Instagram und der ganze Rest vermitteln genau dieses Bild unseres Berufes, der im eigentlichen Kern viel mehr als das ist. Offensichtlich bedienen einige unserer Kollegen genau dieses Social Media Bild und erfreuen sich einer großen Follower-Zahl und Beliebtheit. Das hat auch alles seine Berechtigung und kommt auch bei der richtigen Zielgruppe an.

Außerdem würde ich lügen, wenn ich nicht zugeben würde, dass ich nicht auch ab und an mal ein publikumswirksames Personal Training an der Strandpromenade abliefere. Wenn der Klient das wünscht, wieso nicht?

Aber um auf den Vater meines Freundes zurückzukommen: Einige meiner Klienten haben die 70 Jahre bereits überschritten und noch nie zuvor Sport gemacht. Was aber nicht bedeutet, dass sie sich nicht mehr bewegen dürfen oder nie wieder Sport machen dürfen. Den individuellen Möglichkeiten jedes einzelnen Klienten angepasst, erfolgt ein Beweglichkeits-, Kraft- oder/und neuroathletisches Training (um nur ein paar wenige Möglichkeiten zu nennen) – ausgehend von einer umfassenden Anamnese, dem sogenannten CheckUp.

Einige trainieren am liebsten zu Hause in den vertrauten eigenen vier Wänden, andere nutzen die Möglichkeiten meines Studios. Und ja, das geht auch noch jenseits der 70 oder 80 Jahre. Ein weiterer Bestandteil meiner Arbeit ist der persönliche Austausch mit den behandelnden Ärzten oder Therapeuten meiner Klienten.  Ganzheitlich und individuell.

Ich möchte also damit damit aufräumen, dass wir Personal Trainer unsere Klienten fertig machen (es sei denn sie wünschen es) und man ein gewisses Fitnesslevel mitbringen muss, um überhaupt eine Einheit durchzuhalten oder (wie ich es auch schon gehört habe) zu überleben. Das ist Unsinn, zumindest was meine Arbeit und die vieler meiner Kollegen angeht.

Selbstverständlich habe auch ich – und damit beende ich meine Lehrauftrag für heute – Klienten, die sich auspowern oder quälen wollen. Aber fest steht, dass ich meine Klienten da abhole, wo sie sind und sie auf ihrem Weg, ihr Ziel zu erreichen, unterstütze und das altersunabhängig.

 

 

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