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“Zu alt für Personal Training”

Neulich unterhielt ich mich mit einem Freund darüber, was eigentlich Personal Training für ihn bedeutet. Wir sprachen darüber, dass sein 80 jähriger Vater regelmäßig auf Mallorca ist und die Zeit nutzt, um zu entspannen, sich zu bewegen und das Leben zu genießen.

Bei der Gelegenheit sagte ich, dass sein Vater doch mal bei mir im Studio vorbei kommen kann? Die Antwort meines Freundes: “Was, ne! Der ist zu alt dafür!” – “Zu alt wofür?” fragte ich. “Naja, er ist zwar fit, läuft aber eher langsam und hat noch nie in seinem Leben Sport gemacht. Der kann mit seinen Knien nicht springen und auch keine schweren Gewichte heben.”

Ich war sehr verwundert darüber, welches Bild mein Freund von Personal Training tatsächlich hat:

Ein durchtrainierte Personal Trainer steht, mit seiner Sonnenbrille und seinem hautengen Muskel-Shirt, oder noch besser oberkörperfrei, auf der Mauer. Rechts die Promenade, links der Strand. “Schneller, weiter, looooos…”. Vor ihm/ihr ein braungebranntes mitte-zwanzig-jähriges Supermodel, dass die Anweisungen unter Schweiß und Zuschauern, sichtlich angestrengt, absolviert. Danach wird noch schnell eine Instagram- und Facebook-Story erstellt, ein Protein-Shake eingenommen und fertig ist das perfekte “Personal Training”.

Aber um auf den Vater meines Freundes zurückzukommen: Ich habe Klienten, die die 70 Jahre bereits überschritten haben und noch nie zuvor Sport gemacht haben. Was aber nicht bedeutet, dass sie sich nicht mehr bewegen dürfen oder nie wieder Sport machen dürfen.

Den individuellen Möglichkeiten jedes einzelnen Klienten angepasst, erfolgt ein Beweglichkeits-, Kraft- oder/und neuroathletisches Training (um nur ein paar wenige Möglichkeiten zu nennen). Und dabei spielt das Alter keinerlei Rolle.

Einige trainieren am liebsten zu Hause in den vertrauten eigenen vier Wänden, andere nutzen die Möglichkeiten meines Studios. Und ja, das geht auch noch jenseits der 70 oder 80 Jahre. Ein weiterer Bestandteil meiner Arbeit ist der persönliche Austausch mit den behandelnden Ärzten oder Therapeuten meiner Klienten.  Ganzheitlich und individuell.

Ich möchte also damit aufräumen, dass wir Personal Trainer unsere Klienten “fertig machen” und man ein gewisses Fitnesslevel mitbringen muss, um überhaupt eine Einheit durchzuhalten oder – wie ich es auch schon gehört habe – zu überleben. Das ist Unsinn, zumindest was meine Arbeit und die Arbeit vieler meiner Kollegen angeht.

Selbstverständlich habe auch ich Klienten, die sich auspowern oder an ihre Leistungsgrenze gehen wollen. Aber fest steht, dass ich meine Klienten da “abhole”, wo sie sind und sie auf ihrem Weg, ihr Ziel zu erreichen, unterstütze und das alters- und geschlechtsunabhängig.